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2008-04-16 10:37:52
Zum zweiten Mal Country Music Messe in Süddeutschland

Nürnberg, 2. bis 4. November 2007
Einige zweifelnde Stimmen waren seinerzeit laut geworden, als es 2006 hieß, es solle nach jahrelang erfolgreich in Berlin durchgeführter CMM nun auch einen Ableger in Nürnberg geben. Dabei war die Zeit damals einfach reif, das Konzept in eine Region zu übertragen, die im Prinzip mit einer recht weit gestreuten musikalischen Szene gesegnet ist. Wie groß die Vielfalt an Künstlern im Country-Bereich in jeder Hinsicht ist, wurde dann in der Meistersingerhalle deutlich und es war klar, dass dies erst der Beginn sein sollte. Die positive Resonanz erlaubte es den Veranstaltern Herbert Arnold (WHEEL, Nürnberg) und Kai Ulatowski (Western Mail, Berlin), sich aus der Sicherheit des Erfolgs heraus auf weitere herausfordernde Situationen einzustellen und mögliche Hindernisse in Chancen umzuwandeln, das Projekt CMM stetig weiter zu entwickeln.
So wurde die zweite Veranstaltung nun bereits um einen Tag verlängert. Mit etwas Unverständnis und Enttäuschung wurde von vielen Besuchern die Tatsache empfunden, dass sich die Präsenz der einheimischen Bands in überschaubaren Grenzen hielt. Am Freitag zeigten Texas Rooster und die Long Riders auf der Meistersinger-Bühne sowie Sebbo mit Soloprogramm im Bluebird Café, dass unser Frankenland durchaus motivierte Countrymusiker hervorgebracht hat.
Wie schon im Vorjahr dabei waren die Road Brothers aus Grimma/Sachsen, die ihre Zuhörer auf eine herrlich akustisch-ostalgische Reise mitnahmen, mit gefühlvollen Songs wie 'I Still Miss Someone' (J. Cash) oder Material anderer Storyteller, wie Woody Guthrie, der zur Zeit der Great Depression Anfang der 30er Jahre als Hobo durch die USA zog und dort die Themen für seine Lieder fand. Musik also, wie sie für das Bluebird Café nicht passender sein könnte. Flexibilität und Freude sind die Säulen, auf denen sich die Show von Dog Gone aufbaut. Die Entwicklung der Honkabilly-Band aus England scheint unaufhörlich und sie bewiesen am Abend auf der großen Messe-Bühne erneut, wie Reaktionen ihrer Umgebung unmittelbar Anwendung für die Fertigkeit finden, sie musikalisch aufzugreifen und umzusetzen. Keine starren Formate, sondern die pure Lebensform des Rock´n´Roll.
Den ersten Messetag auf diese Weise zu beenden und den nächsten ebenso hochwertig, wenngleich mit Gelassenheit zu beginnen, ist ein Traum! Der Einstieg in den Samstag begann mit gewohnt getragen-harmonischen Klängen vom Duo Mandy Strobel und Marty Wolfe und brachte im Anschluss eine der angenehmsten Überraschungen. In seiner Heimat Baden-Württemberg offensichtlich durchaus bekannt, stellte sich Andy Keinath erstmals dem Publikum in Nürnberg. Ein Mann mit kariertem Hemd, Cowboyhut und Gitarre - auf den ersten Blick zunächst nichts unbedingt Originelles auf einer Country-Messe. Doch er sorgte hier durch seine erfrischende Schlichtheit für eine derart wohltuende Unterbrechung der Muster, dass man ihm all seine Unsicherheit verzieh und einfach nur die durch und durch handgemachte Show genoss.
Ein Musiker, der sich bereits im Vorjahr meinen allergrößten Respekt verdient hatte und dieses Gefühl erneut bestätigte, ist Michael Lonstar. Aus Polen importierte er nicht einfach nur seine Melodien und Geschichten zu uns, sondern eine spirituelle Harmonie. „Country Music is our life. So welcome to our life“, empfing er seine Gäste im Bluebird Café. In seinem Song 'What´s This Country Thing' veranschaulichte er die Mühen, seine Art Musik immer wieder definieren, sich fast dafür entschuldigen zu müssen. Damit dürfte er so manchem seiner Kollegen aus der Seele sprechen. Und auch die Fans kennen die Situation, wenn dieses „Country Thing“ in der Außenwelt immer wieder auf Unverständnis stößt. Bis zur CMM im Februar in Berlin wird Michael Lonstar im übrigen sein neues Album fertig haben, das auch ein in polnisch gesungenes Duett mit der Allgäuerin Suzie Candell enthalten wird. Country Music überschreitet mal wieder Grenzen und das ist gut so! Zumal Suzie mich persönlich mit ihrem Auftritt bei der diesjährigen Messe überzeugen konnte, dass die ihr immer wieder zugesprochenen Talente tatsächlich reifen und sie ihre Rolle mit Charakter ausfüllt.
Am Samstag Nachmittag wurden sowohl die Country Music 24- als auch die Meistersinger-Bühne von Bands beherrscht, die es als ihre Aufgabe sehen, beim Publikum in erster Linie große Stimmung und (Line-)Dance-Laune hervorzurufen. Amarillo, die Railroad Company aus Österreich, Open Road, Simple Union oder die Dusty Brothers brachten mit teilweise bis zu 8 Mann auf der Bühne einen geballten Sound und trafen mit einer gezielten Songauswahl gut durchmischter Standards und Tex-Mex-Ohrwürmer direkt ins allgemeine Geschmacksempfinden.
Und damit ungewollt mitten ins wohl einzige Konfliktzentrum dieser Messe – die Ausweisung der Tanzfläche direkt vor der großen Bühne. Die Veranstalter waren den Wünschen der Tänzer vom letzten Jahr entgegen gekommen, die sich mit dem Platz am hinteren Ende der Halle nicht zufrieden gegeben hatten. Man ging den Versuch ein und verprellte sich damit nun diejenigen, die das tun wollten, was dem Begriff Zuhörer seinen Namen gibt – die Musik mit allen Sinnen aufnehmen, sehen, was sich auf der Bühne bewegt und dies als Gesamteindruck verarbeiten. Das Hörerlebnis war durch den großteils sehr überdrehten Sound ohnehin nicht wirklich ein Hochgenuss und die Sicht auf die Menschen, um die es hier gehen sollte – die Musiker – erreichte zumindest aus sitzender Position heraus nicht ihr Ziel, sondern wurde fast völlig durch die tanzenden Körper absorbiert.
Wagte man es dennoch, einen freien Platz in der ersten Reihe einzunehmen und rückte sacht eine dort von Line Dancern platzierte Tasche oder Jacke bei Seite, schossen sie blitzartig aus ihrer Formation und verteidigten ihr Revier wie ein Pitbull seinen Knochen. Nicht, dass uns ein solches Verhalten neu wäre. Doch war es einfach doppelt unangepasst, da die Messemacher diesmal sogar dem Line Dance ein eigenes Forum boten und am Samstag Abend nach dem Live-Programm ein Workshop stattfand. Da das Ergebnis dieses Entgegenkommens allerdings so offensichtlich ausfiel, könnte es gut sein, dass jemand, der den ganzen Kuchen haben möchte, sich bei der nächsten CMM mit einem Stück oder weniger zufrieden geben muss. Alle, die die Veranstaltung wegen der Live-Musik besuchen, werden´s danken!
Die Couple Dancer dankten vor allem einer Band – Country Express aus Salzgitter, deren einzige Intention die effektive Schaffung und Nutzung der Two Step Music ist, die man sonst selten auf derart geschmeidige und gepflegte Weise zu hören bekommt. So als legt man eine gute alte Alan Jackson-CD ein, lässt den Motor an und wünscht sich, die Fahrt möge nie enden.
Zum Ausklang des zweiten Messetags machte einem das Programm dann noch zwei völlig gegensätzliche musikalische Angebote. Während die meisten in der großen Halle beim Auftritt von Nighthawk abrockten, entschied sich eine kleine Ansammlung wahrer Genießer für die, zumindest für mein Empfinden, vielleicht hochwertigste halbe Stunde des gesamten Wochenendes. Hinter Mountarillo verbarg sich diesmal neben Bört Förster (Bassist der Mountaineers) und Sebbo (Akustikgitarrist und Frontman von Amarillo) noch Thomas Schönheiter (Multiinstrumentalist bei Amarillo und DTC Band, hier mit Akkordeon). Schon allein diese Besetzung steht für Glaubwürdigkeit mit jeder Note. Mit ihrem durchweg eigenem Songsmaterial hatten sie sich entschlossen, ein Experiment durchzuführen, das möglicherweise beim Zuhörer die Struktur der intensivsten inneren Gefühle aufdeckte. Es diente nur diesem einen Zweck und gelang auf wunderschöne Weise!
Eine weitere, sehr gern angenommene Neuerung war, nach Programmende die Pforten nicht zu schließen, sondern die Öffnungszeiten eines Teils des gastronomischen Bereichs zu verlängern und so Raum für ein Zusammenkommen und Austausch zwischen Künstlern und Publikum zu schaffen. Und hier passierte dann, was ein Treffen dieser Art wohl letztlich ausmacht. Verbundenheit und das Erfassen der künstlerischen Eigenheiten des jeweils anderen. Die verschiedensten Stückchen des Begriffs Country Music zu vermischen und am Ende wieder zusammen zu fügen.
Dennoch startete der Sonntag kein bisschen müde und träge, sondern erneut wach und mit voller Aufmerksamkeit. Denn noch einmal wurden hohe Standards aufgefahren. Der in Pennsylvania geborene Daniel T. Coates, der mit seiner Band den letzten Messetag eröffnete, und der aus Neodesha/Kansas stammende Travis Truitt lassen unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Geschichte fast eine Wertung in der Kategorie fränkische Künstler zu und würden die Quote somit heben. Denn beide leben seit über 20 Jahren hier und zehren auf unterschiedliche Weise von der ihnen somit gegebenen Möglichkeit, mit dem Publikum auch verbal kommunizieren zu können. Bei seinem Solo-Auftritt später im Bluebird Café zeigte Dan einmal wieder das ganze Ausmaß seiner Fähigkeiten als Entertainer. Wer sagt, dass man Cowboyboots statt in Wichita/Kansas nicht tatsächlich in Plauen oder Bayreuth kaufen kann?
Zwei andere Musiker, die immer zugänglich sind, wenn Ideen für wunderschöne Songs ihren Weg kreuzen, traten noch vor ihm dort auf. Mandy Strobel und Marty Wolfe, diesmal jeweils als Solisten. Jedoch mit mindestens genauso hervorragendem Ergebnis der Darbietung oft selbst durchlebter Geschichten.
Aber Ziel einer Messe ist es ja nicht nur, die immer wieder gern gehörten Künstler zu besuchen, sondern sich Neuem zu öffnen. Und da kann´s passieren, dass man einer Band begegnet, die einen mit Verblüffung erfüllt. In meinem Fall waren dies die Greyhound Doctors, denen es mit konkret einem Song gelang, die Hektik der Umgebung in Stillstand zu versetzen. 'Travelin´ Soldier' von Bruce Robison, das wir in der Version der Dixie Chicks kennen und das hier in der Interpretation durch eine rein männlich besetzte Band jedoch sogar noch außerordentlich an Wirkung gewann.
Eine andere Art Dixie Chicks-Song, nämlich 'Some Days You Gotta Dance', wandelte das Trio Yendis in eine gewöhnungsbedürftig rockige und absolut sehr gelungene Version um. Die stimmgewaltige Heike Torkler fand sich erst in diesem Jahr mit den Ex-Rubber-Duck-Mitgliedern Christoph Behm und Harald Schulze zusammen. Alle drei mischten ihre Kenntnisse und bauten sie aus, paarten sie mit ihrem rheinischen Temperament und erobern nun mit Geschick ihr neues Arbeitsfeld, den modernen Country Rock. Wie man bei Yendis sieht, bedarf es dazu weder einem enormen Personenaufwand, noch einer riesigen Anlage oder übertrieben viel Equipment.
Überhaupt war die Zuhilfenahme technischer Hilfsmittel diesmal im Vergleich zur 1. CMM erfreulich zurück gegangen. Nur einigen sehr wenigen fehlte das Selbstbewusstsein, sich von ihrer Playback-Anlage zu trennen. Den meisten Solisten und Bands war es wichtig, den direkten Zugang zum Zuhörer rein zu halten. Sie waren die Hüter ihrer ganz eigenen Fertigkeiten und ihrer Einzigartigkeit.
Die Country Music Messe Nürnberg 2007 war und ist ein Gesamtwerk, in dessen Zentrum die Musik steht und beschützt, was sich ihr anschließen möchte. Alle Varianten der Western-Leidenschaft, sämtliche Formen der Tanzkunst und selbst talentfreie, jedoch mit Mut beseelte Künstler. Am Ende wächst alles zusammen zu einem geschlossenen System, das uns all das Schöne an der Country Music zeigt und unangreifbar ist.

Bettina Granegger - 11/2007

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